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Für meinen neuen Esstisch habe ich die alten Thonet Stühle und eine Thonet Bank meiner Eltern bekommen. Die Möbelstücke sehen ihrem Alter entsprechend aus und wurden bereits seit Jahren nicht mehr benutzt. Thonet ist eine ursprünglich aus Wien stammende Möbelfirma mit einer langen Tradition. Besonders berühmt wurde die Firma mit dem sogenannten typischen „Wiener Caféhaus-Stuhl“ aus gebogenem Holz. Eine professionelle Renovierung dieser Möbel geht ordentlich ins Geld, weshalb ich beschloss die Möbel selbst zu reparieren.

Im 9. Wiener Bezirk gibt es eine Werkstatt, geführt von einer sehr quirligen älteren Dame, wo man sich stundenweise einmieten kann und neben einer professionellen Beratung der Besitzerin auch alle notwendigen Werkzeuge zur Verfügung hat. Neben Möbelstücken aller Art kann man dort auch Bilder restaurieren. Nach einer kurzen Einschulung über die Restaurierung alter Holzstühle, begann ich auch schon mit der Arbeit… und es war wirklich harte Arbeit! Jedoch jetzt wo die Arbeit getan ist bin ich überglücklich, denn die renovierten Stühle, die aber ihren alten Charme behalten haben, sehen super zu dem neuen Naturholz-Tisch aus. Mir gefällt dieser Stil-Mix aus alt und neu sehr gut und es verleiht dem Essbereich einen sehr individuellen Charakter.

Ich kann es euch nur wärmstens empfehlen einfach mal selbst anzupacken und eure Möbelstücke zu renovieren, denn es macht wirklich Spaß und man lernt sehr viel dazu. Hier eine kurze Anleitung, falls ihr auch ein paar alte Holzstühle zu Hause habt und dem Möbelstück einen neuen Glanz verleihen wollt.

 

Wackeligen Stuhl fixieren

Alle Schrauben festziehen und lockere Stellen mit Holzleim einpinseln und festdrücken. Wenn eine Stelle gebrochen ist, den betroffenen Bereich gut abschleifen, Holzleim auftragen und mit einem festen Gurt oder ähnlichem fixieren. Diese Stelle muss über Nacht fixiert bleiben, damit der Leim gut hält. 

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Abschleifen

Das ganze Möbelstück muss mit einer Stahlwolle abgeschliffen werden. Je nachdem wie „neu“ das Möbelstück aussehen soll, desto gründlicher und länger muss gearbeitet werden. Ich wollte, dass meine Stühle ihren alten Look behalten und habe deshalb nur leicht abgeschliffen.

Sollte das Möbelstück eine tiefere Delle haben, muss diese gereinigt und dann mit einer Holzpaste aufgefüllt werden. Wenn die Holzpaste getrocknet ist, muss diese Stelle gründlich abgeschliffen werden, bis sie auf gleicher Ebene mit der restlichen Fläche ist.

Beizen

Nun wird die Holzbeize aufgetragen, diese gibt es ihn vielen Holztönen. Ich habe den speziellen Thonet-Farbton gewählt. Die Maserung des Holzes bleibt beim Beizen sichtbar, der endgültige Farbton ergibt sich aus dem Beizton, der Farbe des Holzes und seinen Inhaltsstoffen. Deshalb ist es ratsam den Farbton vorab kurz zu testen.
Die Holzbeize muss mit einem Pinsel in regelmäßigen Bahnen in der Faserrichtung des Holzes aufgetragen werden. Am besten man arbeitet sich von unten nach oben, um Beizenspritzer zu vermeiden. Beim Auftragen der Holzbeize muss sehr gründlich gearbeitet werden, denn Unregelmäßigkeiten sind schnell sichtbar.

Polieren

Das polieren der Oberfläche dient dem Schutz des Holzes und verleiht dem Möbelstück einen schönen Glanz. Man benötigt Schellackpolitur und einen Polierballen, dieser besteht aus reiner Wolle oder Wattepads eingewickelt in einem Stofftuch, es soll eine gute Saugfähigkeit haben. Man tränkt den Polierballen in der Schellackflüssigkeit und führt ihn mit kreisenden, schnellen Bewegungen über die Holzfläche. Alle ca. 5 Minuten soll der Ballen in die Flüssigkeit eingetaucht werden, damit er feucht bleibt. Wichtig ist, dass die gesamte Fläche bearbeitet wird und zwar wird dieser Arbeitsgang mehrmals wiederholt, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Das polieren ist eine zeitaufwendige Arbeit und kann 1-3 Stunden dauern.

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3 comments on “Die Möbelwerkstatt”

  1. Hallo–weis nicht , ob es noch Aktuell ist , zu schreiben,ich versuche es einfach.Bin seit ein paar Monaten zu einen echten Thonet und Konsorten -Liebhaber geworden und versuche die Stühle selbst zu restaurieren.Ist nicht so einfach und würde mein Wissen gerne Erweitern . Gibt es diese Dame im 9. Bezirk noch?? Wenn ja, würde ich Sie um die Adresse bitten.Würde ein paar Tage Wien dann einplanen, ich bin in der Nähe von Salzburg Zuhause und mache im Mai einen Flechtkurs in Schlierbach.
    Gehe in einigen Jahren in Pension und habe so für mich eine tolle und begeisternde Beschäftigung gefunden.
    Hoffe auf Antwort ,
    M.f.G. L. Kammel

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